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Wanderschaft und Tippelei

Montag, 4. Mai 2009

Sonstiges

Früher war es unter Handwerkern noch üblich das, mit Abschluss der Ausbildung , auf Wanderschaft gegangen wurde. Auch heutzutage sieht man die Zimmerleutw noch ab und zu wandern, aber deren Gebräuche und Sitten und überhaupt die Gründe für die freiwillig aufgenommene Rastlosigkeit kennt fast niemand.

Denn wer die “seltsam” gekleideten Handwerker heutzutage sieht, rechnet eher mit dem nichtvorhandenseins eines herkömmlichen angepassten Modestils als mit einer ernsthaften Angelegenheit innerhalb der strenge Regeln gelten.Der Ursprung des “tippelns” liegt im späten 18.Jahrhunderts und erfüllte neben der Aneignung von Wissen auch die wichtige Aufgabe dieses von Ort zu Ort zu tragen. So waren es nicht selten Zimmerleute auf Wanderschaft die technische Erungenschaften verbreiteten. Doch auch heute in Zeiten des “globalen Wissens” gibt es in Deutschland noch circa 600 - 800 Menschen die sich für die drei Jahre auf der Walz entscheiden haben.

Während es früher nur Männern gestattet war auf die Wanderschaft zu gehen, gibt es heute auch Schächte (Schächte = Organisationen) in denen Frauen gleichberechtigt selbiges gestattet wird. Auch ist die Bezeichnung “Zimmermann” nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, denn auch Töpfer, Schreiner, Tischler und sonstige Gesellen handwerklicher Berufe können auf die Wanderschaft gehen.

Die Entscheidung auf die meist 3 Jahre andauernde Walz zu gehen ist eine Ernsthafte und ist schon von vornerein mit einigen Grundvoraussetzungen behaftet. So darf nur gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig und kinderlos sowie schuldenfrei ist. Dies ist traditionell damit begründet das niemand aus reiner “Flucht” die Wanderschaft antreten soll.

Die Regel für die Wanderschaft selbst sind einfach und klar, so gilt für den Zimmermann für die Zeit der Wanderschaft (meist 3 Jahre + 1 Tag)  folgendes:

- Er/Sie darf die Heimatstadt plus einem Umkreis von 50 km nicht betreten

-  Er/Sie darf keinerlei Fahrzeug besitzen, sollte keine Öffentlichen Verkehrsmnittel benutzen

-  Er/Sie muss in der Öffentlichkeit die Zunftklamotten tragen

- Er/Sie muss sich ehrbar verhalten, so dass auch der nächste Zimmermann gerne gesehen ist

Doch trotz dieser Einschränkungen wird die Zeit von vielen Wanderburschen als eine sehr positive aufgenommen, stehen doch den Einschränkungen und Regel die absolute Freiheit gegenüber. Oftmals finden sich in dieser Zeit Freundschaften fürs Leben und es werden Abenteuer erlebt die eben zuhause vorm TV nicht stattfinden.

Die Zeit verbringt der Zimmermann dann damit,  in Deutschland, in Europa oder auf der ganzen Welt von Ort zu Ort zu ziehen und seine Arbeitskraft anzubieten. Das Arbeitsfeld ist breit und reicht laut Berichten einzelner Wandergesellen vom Schiffsbau auf Sylt bis über den Bau eines Wirlpools für den Garten von Thomas D von den Fantastischen Vier.

Als Gegenleistung bekommen die Gesellen dafür einen Schlafplatz und Verpflegung. Die Zeit der Wanderschaft ist nicht dzu gedacht reich an materiellem Dingen zu werden. Nach Ablauf der Wanderschaft folgt die “Einheimischmeldung” mit einem großen Fest.

Wer Interesse für diese eher ungewöhnliche aber nicht minder Interessante Art der Berufspraxis hat, spricht am besten bei nächster Gelegenheit einen der Reisenden an, zumeist informieren diese gerne über ihre Tätigkeit. Wem die eigenen Gastfreundschaft nicht weit genug geht den Wandergesellen für die Nacht ein Dach über dem Kopf anzubieten, der kann ja mal auf spontan und tradionell schalten und es trotzdem tun. Zumeist entwickelt sich ein lustiger Abend daraus.

Wir wünschen eine “fixe Tippelei” !

Weiterführende Infos + Linksammlung: www.tippelei.de

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