Wirtschaft und Arbeitsmarkt vergleichsweise glimpflich durch die Krise
Dienstag, 16. März 2010
Die Konjunktur zeigt sich weiterhin gezeichnet von der Wirtschaftskrise und kommt nicht so richtig in Schwung. Auch bei einem Blick auf die Arbeitslosenzahlen kommt keine Euphorie auf. Auf den ersten Blick nur negative Details der deutschen Wirtschaft. Vergleicht man Deutschland aber mit den europäischen Nachbarn zeichnet sich ein anderes Bild ab, hier liegt die Bundesrepublik an der Spitze.
Doch wie lässt es sich erklären, dass in Zeiten der Krise Deutschland zum Motor der europäischen Wirtschaft gekürt wurde? Betrachtet man nüchtern die Zahlen der deutschen Wirtschaft, ist sie mit fünf Prozent 2009 so stark geschrumpft wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr und die Verschuldung liegt nun bei 1,7 Billionen Euro. Die Schuldengrenze, im Maastricht-Vertrag und im Grundgesetz festgeschrieben, scheint mittel- und längerfristig nicht einhaltbar.
Doch nun zum Positiven. Im Vergleich zur EU steht Deutschland vergleichsweise gut da. Ein Grund dafür ist der robuste Arbeitsmarkt. Im Jahr 2009 lag die Erwerbslosenquote zwar bei 7,5 Prozent, doch viele europäische Nachbarn hat es erheblich schwerer getroffen. In Spanien ist die Arbeitslosigkeit auf 19,3 Prozent, in Frankreich auf 10,1 Prozent und in Polen auf 8,4 Prozent gestiegen.
Viele Volksökonomen überrascht der robuste deutsche Arbeitsmarkt. Noch vor einem Jahr warnten sie vor massiv steigender Arbeitslosigkeit. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise gingen einige Experten von einem Anstieg auf 4,5 Millionen Arbeitslose aus. Mittlerweile sind die Prognosen gemäßigter. Das IAB-Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit hat seine Vorhersage heruntergeschraubt und geht für das Jahr 2010 von 3,5 Millionen Arbeitslosen aus. Das wären trotz der großen Krise „nur“ 120.000 Erwerbslose mehr als 2009.
Sogar noch optimistischer ist das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Nach Schätzungen der Experten wird sich der Arbeitmarkt auch langfristig erholen. Für das kommende Jahr erwarten sie eine Erwerbslosenzahl von maximal 3,4 Millionen.
Doch nicht allein die Entwicklung der Wirtschaft hat ein Einfluss auf den Arbeitsmarkt. Einfluss hat auch der demografische Wechsel in Deutschland. Die Bevölkerung schrumpft, und weniger junge Menschen strömen auf den Arbeitsmarkt. Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung sagt: “Pro Jahr gehen in Deutschland etwa 100.000 Menschen mehr in Rente, ohne dass von unten Nachschub kommt. Das senkt die Arbeitslosenquote um etwa 0,2 Prozentpunkte.”
Auch wurde der deutsche Arbeitsmarkt entlastet, weil Arbeitsplätze, vor allem viele Teilzeitstellen, im öffentlichen Sektor bei Pflege und Erziehung geschaffen wurden. Im Dezember 2009 gab es in Deutschland 270.000 Teilzeitstellen mehr als noch im Dezember des Vorjahres. Viel schlechter sind die Aussichten zum Beispiel in Spanien. Dort hat die wachsende Bevölkerungszahl die Krise am Arbeitsmarkt verstärkt. Der massive Einbruch in der Bauwirtschaft kommt noch hinzu, sodass die Spanier die zweithöchste Arbeitslosenquoten in Europa haben. Spitzenreiter bei der Arbeitslosenquote ist Lettland mit 20,9 Prozent.
Ebenso die moderate Tarifabschlüsse der Gewerkschaften und die Einführung von Kurzarbeit halfen dabei, dass die deutsche Industrie im europäischen Vergleich verhältnismäßig wenig Arbeitsplätze abbauen musste. Die Bundesagentur für Arbeit hat 2009 für die Kurzarbeit fast fünf Milliarden Euro ausgab. Dadurch seien jedoch mehr als 300.000 Arbeitsplätze erhalten geblieben.
Auch ein wichtiger Aspekt der letzten jahre: Die Lohnstückkosten in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Ländern weniger stark angestiegen. In Deutschland stiegen sie zwischen 2000 und 2005 um 0,4 Prozent und zwischen 2005 und 2010 um 0,7 Prozent. Der Durchschnitt aller 27 EU-Staaten liegt deutlich höher. Zwischen 2000 und 2005 sind die Lohnstückkosten um 2,1 Prozent gestiegen, zwischen 2005 und 2010 um zwei Prozent.
Ein weiterer Grund für die Stärke der deutschen Wirtschaft ist der Euro. Deutschland hat bisher wie kaum ein anderes Land vom Euro profitiert. Das ist zurückzuführen auf die große Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export. Im Jahr 2009 wurden fast 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts durch Warenexporte generiert – das liegt deutlich über dem Schnitt anderer EU-Staaten. Vor der Euro-Einführung war die Deutsche Mark im Vergleich zu anderen Währungen sehr stark, was deutsche Produkte im Ausland sehr teuer machte.
Durch die Euro-Einführung sind deutsche Produkte tendenziell günstiger geworden.
Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten scheint Deutschland sehr glimpflich durch die Krise zu kommen. Sicherlich werden die Folgen der Wirtschaftskrise auch mittelfristig noch auf dem Arbeitsmarkt zu spüren sein, doch scheint der deutsche Arbeitsmarkt vergleichsweise robust.
Schlagwörter: Arbeitslosenzahlen, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, EU, Export, wirtschaftskrise











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